Foto @ Christian Juch

Unser Besuch in der Gedenkstätte Hohenschönhausen war mehr als eine historische Führung. Er war eine eindringliche Erinnerung daran, was geschieht, wenn Demokratie und Menschenrechte außer Kraft gesetzt werden.

Auf einem rund ein Quadratkilometer großen Gelände befand sich das zentrale Untersuchungsgefängnis der Staatssicherheit. In den Kellerräumen: 60 Zellen ohne Tageslicht, hohe Luftfeuchtigkeit, bis zu acht Personen auf engstem Raum, ein Kübel für Fäkalien. Teilweise erhielten Häftlinge nur etwa 600 Kilokalorien am Tag. Isolation, Dunkelheit, vollständige Kontrolle über Licht, Schlaf und Bewegung bestimmten den Alltag.

Menschen waren hier bis zu drei Jahre inhaftiert.
Steh- und Hockzellen – bis zu acht Stunden ohne Licht.
Gummizellen – tagelange Reizentziehung.
Verhöre am Tag und in der Nacht.

Zwischen 1958 und 1960 entstand ein Neubau mit 103 Zellen und 120 Vernehmerzimmern. Psychologisch geschulte Vernehmer arbeiteten systematisch an der Zermürbung der Inhaftierten. Absolute Ruhe, keine Außenreize, Lichtsteuerung von außen – selbst nachts alle fünf bis zehn Minuten. Körperliche Durchsuchungen, keine Wechselkleidung, Kontrolle jeder Bewegung.

Ein Zeitzeuge, der selbst 14 Monate hier inhaftiert war, machte deutlich: Das perfide System lebte nicht nur von Gewalt, sondern von totaler Kontrolle und psychologischem Druck.

Die Dimensionen sind erschütternd:
91.000 hauptamtliche und 180.000 inoffizielle Mitarbeiter der Staatssicherheit. Eine Poststelle, die bis zu 90.000 Briefe täglich sichtete. Geschredderte Akten, die bis heute rekonstruiert werden, um Aufarbeitung möglich zu machen.

Warum uns das heute betrifft

Das Grundgesetz garantiert unter anderem das Recht auf Freizügigkeit. Es schützt Würde, Freiheit und Rechtsstaatlichkeit.

Doch Geschichte zeigt: Rechte bestehen nur, wenn sie verteidigt werden.

Gerade in einer Zeit weltpolitischer Spannungen, wachsender Polarisierung und autoritärer Tendenzen wird deutlich, wie verletzlich demokratische Strukturen sind.

Gewerkschaften sind Teil dieser demokratischen Schutzfunktion

Gewerkschaften stehen für Mitbestimmung, Solidarität und friedlichen Protest.
Sie geben Menschen eine Stimme.
Sie begrenzen Macht.
Sie schaffen Transparenz und Beteiligung.

Für uns bedeutet gewerkschaftliche Arbeit daher mehr als Tarifpolitik. Sie ist gelebte Demokratie. Wenn wir für faire Arbeitsbedingungen eintreten, wenn wir friedlich demonstrieren, wenn wir füreinander einstehen, verteidigen wir zugleich demokratische Prinzipien.

Unser Auftrag

Demokratie braucht Haltung.
Sie braucht Engagement.
Sie braucht Menschen, die nicht wegsehen.

Der Besuch in Hohenschönhausen ist Mahnung und Verpflichtung zugleich:
Wir dürfen Freiheit nicht als selbstverständlich betrachten. Wir müssen unsere Rechte kennen, nutzen und schützen – im Großen wie im Kleinen.

Gemeinsam. Wachsam. Solidarisch.

 

 

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