„Verantwortung übernehmen!“
„So absehbar es war, so ärgerlich ist es trotzdem, dass die TdL (Tarifgemeinschaft deutscher Länder) sich als Tarifpartner präsentiert hat, der keinen
Plan hat, kein Angebot macht und kein konstruktives Ziel verfolgt“, bilanzierte dbb Chef Volker Geyer nach dem Auftakt der TV-L-Länderrunde. Am 3. Dezember 2025 hatten sich die Tarifpartner in Berlin zum Auftakt getroffen. „Die Arbeitgebenden verstecken sich hinter der Aussage, unsere Forderungen
seien nicht zu verantworten. Das haben sie auch schon nach unserem Forderungsbeschluss vor zwei Wochen geschrieben. Inwieweit es verantwortungsvoll
ist, ohne Plan und ohne Angebot in Verhandlungen einzusteigen, erschließt sich mir jedoch nicht.“ Damit war Geyer nicht allein. Auch in der Verhandlungskommission herrschte großer Unmut darüber, dass die TdL nur weiß, was sie nicht will, es zum Auftakt aber versäumt hat, aufzuzeigen, wie die Länder einen handlungsfähigen und attraktiven Landesdienst gestalten wollen.

TdL blendet Realitäten aus
„Tarifverhandlungen zu führen, bedeutet Verantwortung zu übernehmen. Dieser Wille war heute bei der TdL nicht spürbar“, konstatierte Geyer gegenüber den Medien. „Die Länder haben zum Verhandlungsauftakt komplett ausgeblendet, vor welch riesigen Herausforderungen sie stehen – jetzt und nicht irgendwann. Die demographischen Realitäten treffen den öffentlichen Dienst jetzt und nicht erst in ferner Zukunft, die Unzufriedenheit der Bürgerinnen und Bürger mit dem Staat rührt oftmals daher, dass dieser für die Menschen nicht mehr als funktionierend und Vertrauen schaffend erlebbar ist. Dazu fehlt es nämlich allerorten an Personal. In den Unikliniken, den Justizvollzugsanstalten, den Schulen, und, und, und.“

Noch steht die TdL nur am Spielfeldrand
In der Verhandlungskommission des dbb wandelte sich die Enttäuschung rasch. Mitglieder aller betroffenen Fachgewerkschaften konkretisierten Überlegungen, bundesweit Aktionen zu starten, „um der TdL klarzumachen, dass wir sie mit ihrer schlichten Verweigerungshaltung nicht davonkommenlassen
werden“, fasste Andreas Hemsing, dbb Fachvorstand Tarifpolitik, die Diskussion zusammen. Hemsing weiter: „Nach diesem unschönen Auftakt ist völlig unklar, ob die TdL sich bis Mitte Januar, wenn die zweite Runde stattfinden wird, berappelt. Über Verantwortung Anderer zu reden, ist leicht. Wer tatsächlich Verantwortung übernehmen will, macht zum Beispiel ein verhandlungsfähiges Angebot. Unsere Aufgabe ist es bis dahin, bundesweit und in allen Bereichen zu zeigen, dass Nullrunden und andere Grausamkeiten nicht hilfreich sind – nicht für die Beschäftigten und nicht für die Gesellschaft.“ Von daher erteilte der dbb seinen Fachgewerkschaften unmittelbar im Anschluss an den enttäuschenden Auftakt Streikfreigabe bis zur nächsten Verhandlungsrunde.

Wie geht’s weiter?
Die Tarifpartner haben zwei weitere Verhandlungsrunden vereinbart. Diese finden jeweils in Potsdam am 15. und 16. Januar 2026 sowie vom 11. bis 13. Februar 2026 statt. Über den Verhandlungsverlauf und über mögliche Aktionen berichtet der dbb auf seinen Sonderseiten zur Einkommensrunde unter www.dbb.de/einkommensrunde stets tagesfrisch.

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