60jähriges Bestehen der Gewerkschaft für das Gesundheitswesen

Foto: Friedhelm Windmüller

„60 Jahre GeNi – das ist ein Grund zur Freude und zugleich ein Anlass, vor dem Hintergrund der Geschichte der Gewerkschaft auch einen Blick auf Gegenwart und Zukunft zu richten, deshalb freue ich mich, dass Sie alle unserer Einladung gefolgt sind“.

Mit diesen Worten eröffnete Jens Schnepel, Vorsitzender der GeNi die Jubiläumsfeier der Gewerkschaft für das Gesundheitswesen. Abgehalten wurde das Jubiläum mit zahlreichen Vertretern aus den Fachgruppen der GeNi, Ehrengästen, der Landespolitik, einzelnen Vertretern der Krankenhäuser sowie den Vertretern aus der dbb Familie voran Ulrich Silberbach und Volker Geyer in dem Gesellschaftshaus der psychiatrischen Klinik in Lüneburg.

Schnepel weiter: „Die Geschichte der GeNi ist insgesamt eine Erfolgsgeschichte im Spiegel ihrer Zeit, und sie ist natürlich auch Teil der Geschichte der ehemaligen Landeskrankenhäuser in Niedersachsens und damit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dieser Häuser. Was liegt näher, diesen Ehrentag zum Anlass zu nehmen, etwas genauer auf die anstehenden Herausforderungen für unsere Gewerkschaft, aber auch dem Krankenhauswesen und unserem Gesundheitswesen insgesamt nachzudenken.

Ein besonderes Jubiläum erhält immer dann erst ein Gesicht und Konturen, wenn man sich bewusstmacht, in was für eine Zeit das damalige Ereignis eine Gewerkschaft zu gründen gefallen ist. Wenn wir uns an die Erzählungen unserer älteren Kolleginnen und Kollegen zurückerinnern, dann muss man zugeben, dass so eine Entscheidung viel Engagement und auch Mut beinhaltet, weil Gewerkschaftsarbeit in der GeNi ehrenamtlich versehen wird. Ende 1957 Anfang 1958 machten sich einige verbeamtete Kolleginnen und Kollegen aus den Landeskrankenhäusern Niedersachsens auf den Weg, sich für ihre und Belange ihrer Kolleginnen und Kollegen einzusetzen. Im Januar 1958 wurde dann alle Vertrauensmänner der Gewerkschaftsbewegung der einzelnen Anstalten, so wurden zu der Zeit die Krankenhäuser genannt, zu einer Besprechung eingeladen um einen Fachverband zu gründen. Erste Forderungen waren zum Beispiel gesetzliche Maßnahme zu treffen, um weitere Verbeamtungen des Nachwuchspersonals sicherzustellen, Auswirkungen des Krankenpflegegesetzes des Bundes auf das Personal der Häuser und der Wunsch des ärztlichen- und Pflegepersonals nach Urlaubsregelungen. Im Jahr 1964 gab es dann die Möglichkeit, nachdem auch Angestellte und Arbeiter in den Fachverband Niedersächsischer Landeskrankenhäuser vertreten waren in die Gemeinschaft tariffähiger Verbänden von Arbeitnehmern des öffentlichen Dienstes – GtV- aufgenommen zu werden. Es folgten viele Bemühungen den Fachverband zu vergrößern. Sitzungen des Fachverbandes oftmals im Harz, waren berüchtigt, es wurde viel diskutiert und debattiert, aber auch der gesellige Teil kam nie zu kurz!

Themen die heute immer noch aktuell sind „Geeignete Bewerber bei dem geringen Gehalt in der Pflege zu finden, die finanzielle Situation der Praxisanleiter sind auch heute noch absolut aktuell!

In den 90 Jahren ist die FNL eine Verbindung mit dem VDL der späteren DVG in Niedersachsen eingegangen. Eine Zusammenarbeit, bei der sich der FNL nicht so entfalten konnte wie gewünscht wurde nach einiger Zeit wieder beendet. 1997 / 1998 verfolgte man in den Häuser gemeinsam mit der ÖTV das Ziel, die besonders gesicherten Bereiche in den Landeskrankenhäusern mit einer Intensivzulage wie in den Somatischen Häusern zu versehen. Gute Zusammenarbeit in der dbb Familie wurde Ende der 90ziger mit dem Fachverband Gesundheitswesen aus Baden-Württemberg gelebt. Mit einer Zählgemeinschaft hatte die FNL einen Sitz in der Bundestarifkommission. Schnepel merkte an, dass die Gewerkschaftsarbeit so wie wir sie leben, jedenfalls die meisten in der dbb Familie, auch viele Freundschaften hervorruft! Gewerkschaften die sich mit dem Gesundheitswesen in dem dbb auseinandersetzten arbeiteten sehr eng zusammen. Erwähnt wurden ebenfalls die sehr gute Zusammenarbeit mit dem Geschäftsbereich Tarif, den Dienstleistungszentren des dbb, sowie den anderen Abteilungen wie z.B. der Internetredaktion und Presse aber auch mit der dbb Jugend. Schnepel bedankte sich aber auch für die gute Partnerschaft mit der bbBank und dem dbb Vorsorgewerk. Im Jahr 2006 suchte das Land Niedersachsen Starke Partner! Der Großteil der Niedersächsischen Landeskrankenhäuser wurde verkauft. Es gibt starke Partner, so Schnepel, die gut mit ihren Beschäftigten umgehen, gut bezahlen und viele gute Angebote für Ihre Leute haben. Aber es gibt auch Partner die stark im Verhandeln sind. Nicht im Ergebnis, aber in der Dauer, so der aktuelle Stand bei Tarifverhandlungen AMEOS!

Im Jahr 2008, wurde aus FNL wird GeNi! Die Gesundheitsgewerkschaft Niedersachsen. Musste ja auch sein…es gab die Landeskrankenhäuser nicht mehr, ein weiterer Meilenstein in der Geschichte der GeNi! Die sachliche immer an dem besten Ergebnis für die Beschäftigten orientierte Arbeit wurde auch über die damaligen Landeskrankenhäuser bekannt. In der medizinischen Hochschule Hannover und in der Universitätsmedizin Göttingen wurden eigene Fachgruppen gegründet, denn für die GeNi ist „Nähe ist unsere Stärke“ immer noch der wichtigste Aspekt in der Gewerkschaftsarbeit!

Wir sind nun eine kompetente gewerkschaftliche Interessenvertretung für Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in den niedersächsischen Maßregelvollzugszentren, in den psychiatrischen Kliniken der Region Hannover, PK Lüneburg, Karl- Jaspers Klinik Wehnen, AWO Psychiatiezentrum Königslutter, Ameos Osnabrück und Hildesheim, Asklepios Fachkliniken Göttingen und Tiefenbrunn, den Universitätskliniken Hannover und Göttingen sowie anderen Kliniken im Gesundheitsbereich.

Wir sind eine, von insgesamt 33 Mitgliedsgewerkschaften und zwölf Bundesgewerkschaften, in Niedersachsen, die im Niedersächsischen Beamtenbund und Tarifunion NBB organisiert sind, sowie eine von 40 Mitgliedsgewerkschaften im dbb beamtenbund und tarifunion. Wir sind im Kreis der dbb Familie gut aufgehoben und fühlen uns dort wohl!

„Wir sind eine Gewerkschaft im Dienst der Beschäftigten. Immer nah dran! Der Mensch also steht im Mittelpunkt – diese Botschaft werden wir weiterhin ver-mitteln! Zur aktuellen Krankenhausversorgung äußerte sich der Vorsitzende der GeNi ebenfalls: Die Krankenhaussituation und –versorgung von morgen – so kann man den Eindruck gewinnen – sehen nicht besonders rosig aus. Das Damokles-Schwert der Wirtschaftlichkeit scheint über allem zu hängen, der Patient und die Beschäftigten bleiben auf der Strecke, den Beschäftigten gehen Energie und Geduld aus. Fachkräftemangel überall! Ein Mehr an Wettbewerb, die Chancen für Ideen und Kreativität. Aber der Gesundheitsbereich und dabei vor allem die Krankenhausversorgung ist kein „Markt“ wie jeder andere Bereich ist, bei dem Angebot und Nachfrage im freien Spiel der Kräfte zu einer ausgewogenen Versorgungsstruktur führen. Als Beispiel die ausreichende Notfallversorgung; Eine Reduzierung in diesem Bereich auf reine Marktmechanismen hätte wahrscheinlich zur Folge, dass sie mangels hinreichender Erlöse überhaupt nicht oder nicht mehr überall dort, wo Notwendigkeit besteht, angeboten würde. Deshalb steht für die GeNi fest, dass wir bei allen Vorteilen, den der Wettbewerbsgedanke auch im sozialen Bereich mit sich bringt, eine vernünftige Krankenhausplanung brauchen. Zentrale Aufgabe muss dabei sein, eine medizinisch leistungsfähige und ausreichend flächendeckende Versorgung im bedarfsgerechten Umfang sicherzustellen.

Entscheidend für die Zukunft unseres Krankenhauswesens wird sein, dass die gesundheitspolitisch Verantwortlichen bei notwendigen strukturellen Verän-derungen an einem Strang ziehen, Verwaltung, Ärzte, Pflege und der Wirtschaftsbereich mit allem was zu einer Versorgung im Krankenhaus gehört Offenheit für neue Ideen zeigen und die Herausforderungen annehmen, so Schnepel weiter in seiner Ansprache.

Weg von der Reparatur hin zu mehr Prävention und Gesundheitsförderung. Das ist nicht die Aufgabe Einzelner oder einzelner Institutionen, sondern eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung so Schnepel weiter zur aktuellen Gesundheitspolitik. Eigenverantwortung des Bürgers für seine Gesundheit sollte wieder stärker wahrgenommen werden. Bereitschaft zu gesunder Lebensführung muss geweckt bzw. gestärkt werden. Pflege der Gesundheit und Bewegung im Sinne der Gesundheitsprävention.

Medizinische Versorgung und Pflege sind und bleiben eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Sie sind eines der zentralen sozial- und gesellschaftspolitischen Handlungsfelder, um das eben auch die Seite der Politik kümmern müssen.

Es kann aktuell nur darum gehen, das Geld dorthin zu leiten, wo es wirklich benötigt wird und hingehört! Unter anderem in die Häuser und zu den Beschäftigten dort!

Die Zukunft, der einzelne Menschen, der zu versorgenden Patienten, die die Hauptrolle im Gesundheits- bzw. Krankenhauswesen spielen – nicht nur als Empfänger der besten medizintechnischen, ärztlichen und pflegerischen Leistungen, sondern vor allem als Mensch, der menschliche Hilfe und Zuwendung, Trost und Zuspruch braucht, darum geht es uns eben auch! Bei allen Fortschritten: Keine Maschine, kein Apparat kann heute und in Zukunft einen Händedruck, ein Lächeln oder aufmunternde Worte ersetzen

Wir sind nun eine kompetente gewerkschaftliche Interessenvertretung für Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in den niedersächsischen Maßregelvollzugszentren, in den psychiatrischen Kliniken der Region Hannover, PK Lüneburg, Karl- Jaspers Klinik Wehnen, AWO Psychiatiezentrum Königslutter, Ameos Osnabrück und Hildesheim, Asklepios Fachkliniken Göttingen und Tiefenbrunn, den Universitätskliniken Hannover und Göttingen sowie anderen Kliniken im Gesundheitsbereich.

„Ich halte es für ein Glück, dass wir in der Medizin immer mehr und immer bessere technische Möglichkeiten haben, kranken Menschen zu helfen. Je besser aber die Medizintechnik, umso weniger dürfen wir vergessen, dass Menschen eben keine Maschinen sind, die zur Reparatur in die Werkstatt kommen.“ Zitierte Jens Schnepel den leider bereits verstorbenen Bundespräsidenten Johannes Rau.

Moderne Medizin ist nur dann gut, wenn sie mit Menschlichkeit betrieben wird. Das gilt übrigens nicht nur für die Medizin, sondern überall dort, wo wir mit und für Menschen arbeiten. Für den medizinischen Bereich heißt das, die Leistungsbereitschaft und das Fachwissen zu kombinieren mit einer Grundeinstellung, die von der Achtung des Menschen ausgeht.

Sie umfasst das Verständnis für den Menschen in seiner Gesamtheit mit seinen Sorgen und Ängsten und das Bemühen, diese zu lindern.

Damit Ärzte und Pflegende dies leisten können, haben wir für die entsprechenden Rahmenbedingungen zu sorgen, auch dies sind wir aus Respekt vor den Menschen schuldig. Ärzte und Pflegende und alle anderen Kolleginnen und Kollegen in unseren Häusern verpflichten sich zur Hilfe, aber nicht zur Selbstauf-gabe und zur Selbstaufopferung.

Menschlichkeit ist ein vielschichtiges und unverzichtbares Element im medizinischen Bereich – insbesondere in der Hochleistungsmedizin. Menschlichkeit darf aber nicht zur Unmenschlichkeit mutieren – bei niemandem, der in dem Verhältnis Pflegekraft-Arzt-Patient eingebunden ist. Dafür tragen wir – Gewerkschaft, Politik und Gesellschaft - die Verantwortung, so Schnepel.

Rolf Sauer der Geschäftsführer der Gesundheitsholding Lüneburg sprach in seinem Grußwort über die Vorzüge, die man losgelöst von Zwängen als Landesklinik ab dem Jahr 2007 hatte. Tarifliche Gebundenheit und die gute Zusammenarbeit mit der GeNi, den Betriebsräten und auch anderen vertretenden Gewerkschaften in der Psychiatrischen Klinik sind für Sauer selbstverständlich.

Claudia Schröder, Abteilungsleiterin der Abteilung Gesundheit und Prävention des Ministeriums für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung Niedersachsens, überbrachte zunächst die Glückwünsche der Ministerin Dr. Carola Reimann, die an diesem Jubiläumstag verhindert war.

In Ihrer Rede stellte sie anschließend die Krankenhaussituation in Niedersachsen dar. Flächendeckende Versorgung, Gute und vor allem tarifliche Bezahlstrukturen aber auch der persönliche Umgang mit den Beschäftigten sind in der heutigen schwierigen Zeit im Gesundheitsbereich unabdingbar. Als zweitgrößtes Flächenland Deutschlands werden wir uns aber auch der Telemedizin nicht verschließen können. Das Thema digitale Gesundheitsversorgung wird für uns Zukunftsthema sein, in der Notfallversorgung wird das gerade erprobt. Auch wir müssen ein guter Arbeitgeber sein um freie Stellen besetzen zu können, so Schröder.

Ulrich Silberbach bedankte sich zum einer für die jahrelange gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der GeNi. Führte in seiner Rede aber weiterhin aus: Die Arbeitsbedingungen im Gesundheitsbereich werden sich nur verbessern, wenn die Beschäftigten den Druck auf die Politik weiterhin wachsen lassen. Trotz massiver Warnungen der Betroffenen sei die Ökonomisierung der Gesundheit in den vergangenen Jahrzehnten vorangeschritten. „Zu oft steht das Geld im Mittelpunkt, nicht der Mensch. Dagegen müssen wir uns noch lauter und nachdrücklicher wehren, im Tarif- und im Politikgeschäft“. Mit Blick auf die steigende Arbeitsbelastung ergänzte er: „Die Beschäftigten im Gesundheitswesen sorgen sich in erster Linie um das Patientenwohl. Erst dann kommen die allgemeinen Arbeitsbedingungen und am Ende die eigenen Interessen. Das ist bewundernswert. Aber es darf nicht dazu führen, dass die Kolleginnen und Kollegen ihre eigene Gesundheit opfern.“

Mit dem jüngsten Tarifabschluss mit Bund und Kommunen habe man bereits wichtige Verbesserungen bei Einkommen und Arbeitsbedingungen für einen großen Teil des Gesundheitswesens im öffentlichen Dienstes erzielen können, unterstrich der dbb Bundesvorsitzende. Aber nicht alle Probleme ließen sich am Tariftisch lösen. Silberbach: „Die Arbeitgeber haben endlich erkannt, dass sie handeln müssen. Aber ihr finanzieller Spieltraum ist begrenzt. Deshalb müssen etwa die gesetzlichen Grundlagen der Krankenhausfinanzierung überarbeitet werden. Das ist eine politische Herausforderung, die Innenminister Horst Seehofer und Gesundheitsminister Jens Spahn annehmen müssen. Die Beschäftigten und wir als ihre Interessenvertretung werden gemeinsam Druck machen und dafür sorgen, dass das Vorhaben nicht im Sande verläuft.“

Für den Niedersächsischen Beamtenbund und Tarifunion überbrachte Martin Kalt die Glückwünsche! Gemeinsame Herausforderungen wie Fachkräftemangel, Digitalisierung und Wertschätzung für die Beamten und Beschäftigten in Niedersachsen, eine gemeinsame Aufgabe für den NBB und die GeNi so Kalt.

Patrick Pilat überbrachte Glückwünsche der gesamten Bundesjugendleitung und stellte im Anschluss die Arbeit und die Aufgaben der dbb Jugend vor.

Michael Borges, der die Veranstaltung moderierte bat auch weiterhin die gute Zusammenarbeit mit allen Gremien des dbb an. Die Jubiläumsfeier wurde von dem Saxophonquartett der Musikschule Lüneburg umrahmt.

Im Anschluss der Jubiläumsfeier nutzen viele der Gäste um sich die Psychiatrischen Klinik Lüneburg anzuschauen, aber auch die „Euthanasie „ -Gedenkstätte Lüneburg zu besichtigen. Die Fachgruppe Lüneburg, bei der sich der GeNi Chef ausdrücklich bedankte hatte dieses organisiert.

Eine GeNi Party mit Ehrengästen und einigen Gesagsdarbietungen am Abend rundete die Jubiläumsfeier ab.